Selbstfürsorge in Zeiten wie diesen?

Stellst du dir auch manchmal die Frage, ob du dich mit Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl beschäftigen darfst, wenn im Außen Krieg, Not und Leid herrscht. Glaubst du, es ist in Zeiten wie diesen nicht legitim, wenn du deine Aufmerksamkeit auf dich selbst richtest? Achtung: Bei solchen Gedanken sitzen wir einer Reihe von Mythen auf, die wir genauer betrachten sollten. Ein Blick auf die Selbstmitgefühls-Forschung kann uns dabei helfen, diese ins rechte Licht zu rücken:

Mythos Nr.1: Selbstmitgefühl ist eine Form des Selbstmitleids

Wenn wir uns selbst bemitleiden, tauchen wir völlig in die eigenen Probleme ein. Dabei vergessen wir, dass andere Menschen eben­falls ähnliche Probleme haben. Selbstmitleid verstärkt dieses ego­zentrische Gefühl des Getrennt­seins und vergrößert damit unser persön­liches Leiden.

Achtsamkeitsbasiertes Selbst­mitgefühl ermöglicht uns hingegen, dass wir innerlich Abstand gewinnen. Der Zugang der Achtsamkeit hilft uns, eine ausge­glichene Perspek­tive zu entwickeln und uns mit unserer Aufmerksamkeit nicht in innere oder äußere Dramen zu verstricken. Aus dieser Position heraus können wir viel mit­fühlender mit uns selbst umgehen und leichter Gelassenheit und Zuversicht entwickeln.

Auch die Forschung bestätigt, dass selbsmitfühlende Menschen dazu neigen, die Dinge von einer höheren Warte aus zu betrachten, anstatt sich auf das eigene Leid zu fokussieren (Neff & Pommier, 2013). Zudem neigen sie weniger dazu, darüber zu grübeln, wie schlimm doch alles ist. (Odou & Brinker, 2014, 2015; Raes, 2010)

Mythos Nr.2: Selbtmitgefühl ist egoistisch

Ganz im Gegenteil! Eine zentrale Säule des Selbstmitgefühls ist es, mit sich selbst EBENSO wie mit anderen mitfühlend umzugehen. Es ist dabei ein deklariertes Ziel, den Kreis des Mitgefühls zu erweitern. Eine Reihe von Forschungen konnten belegen, dass diese Absicht aufzugehen scheint:

Selbstmitfühlende Menschen verhalten sich anderen gegenüber nämlich nachweislich fürsorglicher und unterstützender (Neff & Beretvas, 2013; Wayment, West & Craddock, 2016) sowie mitfühlender mit anderen (Neff & Pommier, 2013) als Menschen, die diese Kompetenzen nicht haben.

 Zudem sind selbstmitfühlende Menschen weniger eifersüchtig (Tandler & Peterson, 2018) und in Konflikten in der Regel kompromissbereiter (Yarnell & Neff, 2013).

Mythos Nr. 3: Selbstmitgefühl ist doch nur eine faule Ausrede!

Im Gegenteil! Selbstmitgefühl gibt uns die nötige Sicherheit, damit wir Fehler eingestehen können, anstatt anderen die Schuld zuweisen zu müssen!

Forschungen von M.R. Leary und seinem Team (2007) konnten nachweisen, dass selbstmitfühlende Menschen mehr Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Die Forschungsgruppe von Breines & Chen (2012) konnte zudem zeigen, dass sich Menschen mit Selbstmitgefühls-Kompetenzen eher entschuldigen, wenn sie jemanden verletzt haben. (Breines & Chen, 2012)

Wir alle brauchen jetzt Hoffnung und Zuversicht!

Du hilfst also niemanden damit, wenn du dich durch deinen Fokus auf all das Schreckliche, was im Außen passiert auch selbst noch zusätzlich schwächst.

Gerade jetzt braucht die Welt Menschen, die in ihrer Kraft bleiben, die weiter Hoffnung und Zuversicht kultivieren, die imstande sind negative Emotionen zu regulieren, die imstande sind liebevoll und fürsorglich zu sein und diese Geistes- und Herzensqualitäten weiter in die Welt tragen.  

Yin und Yang des Mitgefühls

Mitgefühl ist eine liebevolle und herzenswarme Zuwendung zu Schmerz und Leid. Es knüpft an unserer angeborenen Fähigkeit für Wohlwollen, Fürsorge und Freundlichkeit an, muss aber genährt, geübt und gestärkt werden, damit es sich nachhaltig etablieren kann.

Mitgefühl impliziert stets den Wunsch, zu helfen und Leid zu lindern. Neben seiner weichen und fürsorglichen Eigenschaft hat es eine aktive und schützende Kraft. Diese kann für uns selbst und für unsere Mitwelt in Krisenzeiten wie diesen eine zentrale Ausrichtung werden.

Selbstmitgefühl üben und kultivieren, um auch für andere da sein zu können

Die beiden Psycholg*innen Chris Germer und Kristin Neff haben bereits 2010 das 8-wöchige Kursformat MSC (Mindful Self-Compassion / Achtsames Selsbtmitgefühl) entwickelt, wo du lernst, gezielt freundlich und mitfühlend mit dir selbst umzugehen – und damit eine gute Basis etablierst, auch langfristig und bei guter Gesundheit für andere Menschen da zu sein. Dieses Kursformat ist wissenschaftlich fundiert und wird weltweit angeboten.

Hier kommst du zu meinen aktuellen MSC-Kursangeboten.